Pressemmitteilung: Eine Zusammenfassung der Ereignisse rund um den 08. Mai

Wie ein schlechter Witz wirkte die Nachricht, die das OAT am Mitwoch kurz vor Konzertbeginn erreichte. In einem kurzen Schreiben des stellvertretenden Bürgermeisters wurde den Veranstalter_innen mitgeteilt, dass der Auftritt des Rappers Holger Burner untersagt wird, falls er einem Mitschnitt seiner Show nicht zustimme. Das Schreiben vom 08.05. weist keine Rechtsbehelfsbelehrung, so wie keine konkrete Begründung und damit grobe Formfehler auf.
Besonders abstrus ist jedoch, dass dieses Anliegen der Stadt, drei Tage vorher, als Bitte an die Gruppe formuliert wurde, um eventuell negativer Presse entgegentreten zu können. Einen Tag vorher wurde diese Bitte, seitens der Stadtverwaltung, auf Grund der GEMA-Verordnungen und des Urheberrechts zurück gezogen. Hiernach gab es zudem ein persönliches Gespräch mit einer Vertreterin der Stadtverwaltung, welche versicherte, dass das Konzert ohne Einschränkungen stattfinden könne. Durch diese Intrige und Art der Repression in Form einer Nötigung zur Selbstkontrolle, die sinngemäß zitiert nur zu unseren Besten sei, hat die Stadt eine politische und finanzielle Pleite der antirassistischen Arbeit in Kauf genommen.

Selbstverständlich weigerte der Künstler sich, dieser prophylaktischen Kontrolle stattzugeben, zudem bekundeten andere Bands, das Publikum, sowie die veranstaltende Gruppe ihre Solidarität und gaben an, unter derartigen Auflagen und in Anbetracht dieser Willkür, nicht fröhlich auftreten und feiern zu wollen. Vielmehr sollte die gemeinsame Zeit genutzt werden, um mit sehr wenig Vorlaufzeit eine Demonstration zu organisieren, die sich im Allgemeinem gegen Zensur und konkret gegen das Vehalten der Stadt und die hetzerische und meinungsmachende Vor-Berichterstattung in der bürgerlichen Presse richtete (Hier ein Pressespiegel der letzten Wochen). Spontan schlossen sich über 100 Menschen der Demonstration an, die über den Grevener Damm in die Innenstadt bis zum Rathaus zog, wo eine Abschlusskundgebung mit zwei Redebeiträgen stattfand. Sehr befremdlich finden wir das Verhalten der Polizei, welche uns mit einem unangemessenen Auflagenkatalog konfrontierte. So wurde der Transport von Glasflaschen, das Tragen von Transparenten, die Mitnahme von Fahnen, Schildern o.Ä. sowie das Laufen auf der Straße untersagt, was ungerechtfertigt die Außenwirkung unserer Demonstration einschränkte. Für den Fall, dass „nur einmal der Fußweg verlassen werde“, drohte der Einsatzleiter mit einer sofortigen Auflösung der Veranstaltung durch eine bereits alarmierte Hundertschaft aus Münster.
Einen freundlichen Satz brachte einer der Beamten jedoch hervor; er zweifelte an, dass die Demo spontan ins Leben gerufen wurde und unterstellte uns dies längerfristig geplant zu haben, da alles so durchgeplant wirke.

Nach der lautstarken Demonstration feierten im JUZ Gebliebene und Demogänger die Aftershowparty mit Tape & Crying Wölf, um trotz der Wut, wenigstens ein bisschen denTag der Befreiung vom Faschismus zu feiern.

Wir danken Allen, die uns an diesem Tag und im Vorfeld unterstützt haben und sich an der Party und dem Protest beteiligten. Den Helfer_innen für ihr Engagement, den Künstler_innen für ihre praktische Solidarität und allen Anwesenden für ihre Unterstützung.

Bilder folgen in Kürze.

Hier der Redebeitrag des Offenen Antirassistischen Treffens:

Der 8. Mai ist für uns ein Tag, um zu feiern und zu mahnen. Die Verbrechen, die von Nazideutschland begangen worden sind, sind zu verurteilen und den Sieg über das brutale Regime zu feiern. Das Gedenken gilt all den Menschen, die im Kampf für ein würdiges Leben durch jene ermordet, gefoltert, denunziert und verfolgt worden sind, die ihre Macht mit allen Mitteln durchsetzten, um ein System der Ungleichwertigkeit des Lebens zu errichten.
Zu diesem Tag haben wir ein Konzert veranstaltet, in das viel Zeit und Arbeit gesteckt worden ist. Im Vorfeld sahen wir uns vielen Anfeindungen der lokalen Presse ausgesetzt, welche nicht nur falsche Rechercheergebnisse veröffentlichte, sondern zudem mit dem Rauswurf aus dem Jugendzentrum kokettierte. Ein Jugendzentrum, welches wir mit vielen Menschen retteten und nun mitverwalten. Ein Ort, in dem Jugendliche die Möglichkeit haben sich zu entfalten und Kultur zu üben.
Es ist eine Anmaßung, dass Jugendliche, die sich eigenständig organisieren, Kulturveranstaltungen planen und ein bisschen Leben in die Tristesse der Kleinstadt bringen wollen von allen Seiten offen angegriffen werden.
Die Emsdettener Volkszeitung brachte über unser Konzert mehr als 5 Artikel heraus, in denen sich ein Redakteur besonders darin übte, den Musiker Holger Burner anzugehen, welcher angeblich zur Gewalt aufrufe und eine Zumutung für die Emsdettener Jugend sei.
Als Teil der Emsdettener Jugend können wir jedoch sagen, dass die einzige Zumutung, die wir in den letzten Wochen bis zum Erbrechen erfahren mussten, die Repression ist, der sich Antirassisten noch 70 Jahre nach dem Holocaust ausgesetzt sehen müssen.
Im Zuge dessen, dass verschiedenste Menschen von Redakteuren über lokale Politiker, bis hin zu Emsdettener Bürgern Druck auf die Stadt aufbauten, wurden wir gebeten einen Audiomitschnitt der Veranstaltung anzufertigen, damit man der Zeitung einen lupenreinen Ablauf der Veranstaltung darlegen könne. Einen Tag später wurde diese Bitte zurückgezogen. In einem persönlichen Gespräch mit einer Vertreterin des Jugendamtes wurde uns einen Abend vor unserer Veranstaltung mitgeteilt, dass wir das Konzert ohne Probleme durchführen können.
Heute Morgen wurde ein Mitglied der Rockini, die der Träger des JUZ ist, und gelegentlicher Besucher des OAT ins Rathaus konsultiert, wo dieser einen Brief in Empfang nahm. Einen Brief der uns darlegte, dass das Konzert untersagt wird, wenn Holger Burner nicht sein
Einverständnis erklärt, dass wir einen Mitschnitt durchführen und der Stadt zur Verfügung stellen.
Das alles sei selbstverständlich nur zu unserem Besten. Wir fragen uns: Wie soll Repression in Folge von Pressehetze zu unserem Besten sein? Wie gut ist die Inkaufnahme einer finanziellen Pleite und Demotivation für antifaschistische Jugendkultur? Gar nicht, und das wird klar, wenn man benennt, wem dieses Vorgehen wirklich nutzt. Die Verleumdung in der örtlichen Presse nutzt vor allem der Auflage des marodierten Tageblattes . Die Verhinderung antirassistischer Organisation nutzt in erster Linie den Nazis und der gutbürgerliche Ruf nach Ordnung im Juz kommt konservativen Kräften gerade gelegen.
Wir sind hier weil wir nicht hinnehmen werden, dass Künstler die wir einladen einer de facto Zensur unterliegen, aber auch weil wir Platz für kritische und unabhängige Jugendkultur brauchen, deren Gelingen nicht von einem Zeitungsredakteur und der Angst der Politiker vor Wahlverlusten abhängen darf. Wir lassen uns nicht zu Unrecht kontrollieren und wir werden nicht still bleiben, wenn man uns unterdrückt. Wir werden uns wehren und immer wieder aufbegehren, wenn Ungerechtigkeit herrscht.


5 Antworten auf „Pressemmitteilung: Eine Zusammenfassung der Ereignisse rund um den 08. Mai“


  1. 1 martin baumann 11. Mai 2013 um 15:39 Uhr

    meine Eltern erzählten mir schon in der Kindheit, das der Kardinal von Galen, als er bei einer seiner Predigt mitbekam, das Gestapoleute dies mitstenoggrafierten, anbot, langsamer zu sprechen. Unter dem Gelächter der anderen Kirchenbesuchern verliessen daraufhin die braunen Schergen den Dom. Moenikes geh auch.

  1. 1 Demo statt Konzert in Emsdetten « antifarheine Pingback am 14. Mai 2013 um 20:25 Uhr
  2. 2 Der 08. Mai ist noch nicht vorbei « OffenesAntirassistischesTreffen Pingback am 26. Mai 2013 um 20:23 Uhr
  3. 3 Update 08.Mai 2013- „PI News“ (Politically Incorrect News) setzte Stadtverwaltung unter Druck « OffenesAntirassistischesTreffen Pingback am 07. August 2013 um 21:20 Uhr
  4. 4 Stellungnahme des OAT Emsdetten zu Verhinderung eines antifa Konzertes am 8.Mai durch die Stadt Emsdetten « Antifaschistische Linke Münster Pingback am 09. August 2013 um 17:59 Uhr
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