Auf dieser Seite finden sich zusammengefasste Informationen zur Taubenstraße in Emsdetten.


+++ Update vom 14.03.2014 +++

1. Demo-Verbot für Arbeiter_innen
2. Krankenkassen-Betrug?
3. Neue Arbeiter_innen – ohne Vertrag
4. Versäumnisse der vermietenden Firma
5. Kritik an der Demoroute

Drohungen durch Vorarbeiter – Wer demonstriert, der fliegt

Kurz vor der Demonstration am 15.03.2014 für die Rechte der Arbeiter_innen von Fine-Food ereilten uns drastische Neuigkeiten. Die Betroffenen berichteten uns, dass ihnen der Vorarbeiter Attila H. Verbot, an der Demonstration teilzunehmen. Wer demonstriere, verlöre seinen Job.

Es ist ein Skandal, dass dieser Vorarbeiter noch immer Angst und Schrecken unter den Arbeiter_innen verbreiten kann. Diese Person, welche Menschen grundsätzlich als verwert- und austauschbar ansieht, will nun den Betroffenen auch noch verbieten, an einer Demonstration teilzunehmen? Es ist ihr selbstverständlichstes und unantastbares Recht und es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass Fine-Food und NGV sich noch nicht von diesem Vorarbeiter und seinen kruden Machenschaften distanziert haben.

Denn eigentlich sehen viele Betroffene die kommende Demonstration als etwas Gutes an. Nachdem wir an jede Haustür klopften und versuchten mit ungarisch- und polnischsprechenden Dolmetscher_innen und übersetzen Aufrufen, Betroffene für die Demonstration zu gewinnen, erhileten wir ausschließlich positive Rückmeldungen.

Wir hoffen, dass sich die Betroffenen nicht einschüchtern lassen und dass sich vor allem die Medien ihrer Verantwortung bewusst sind. Keine Nah- und Portraitaufnahmen von potentiell Gefährdeten.

Sollten sich viele der Betroffenen gegen eine Teilnahme entscheiden, so liegt es an allen, dass solche Verhältnisse aus Angst und Unterdrückung in Zukunft nicht mehr existieren können. Keine Nachsicht und kein Verständnis für derlei Ausbeutungsbetriebe – eine solche Haltung erwarten wir auch von der Stadt und ihren politischen Vertreter_innen.

Krankenkassen-Betrug?

Es besteht der begründete Verdacht, dass die Arbeiter_innen noch immer nicht krankenversichert sind. So haben mehrere Personen unabhängig voneinander versucht, von der Krankenversicherung, welche die „NGV“ in den Abrechnungen als gegeben aufführt, Gebrauch zu machen. Doch sowohl beim Arztbesuch, als auch bei der direkten Kontaktaufnahme mit der genannten Versicherung, wurde den Betroffenen mitgeteilt, dass sie nicht versichert seien.

Wie ist das möglich, wenn die NGV bereits in den Abrechnungen Kosten für die Krankenkasse abzieht? Handelt es sich hier um einige Ausnahmen oder betrifft das noch viel mehr Arbeiter_innen, welche bei der NGV eingestellt sind?

30 neue Arbeiter_innen arbeiten bisher ohne Vertrag

Die Handlungen der NGV und dem Vorarbeiter werfen immer wieder neue Fragen auf. So erzählte mensch uns, es seien erneut 30 Personen „angeschleppt“ und in einer „Art Hotel“ untergebracht worden. Diese Menschen sollen Bei Fine-Food bzw. für das Subunternehmen „NGV“ arbeiten, allerdings ohne über einen Arbeitervertrag zu verfügen.

Dass sich noch immer solche Skandale ereignen, bestätigt uns in unserem Bemühen. Es hat sich nur wenig zum Positiven entwickelt und die ausbeutenden Betriebe versuchen immer wieder, ihre Grenzen auszutesten, ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen. Umso wichtiger ist die fortlaufende Berichterstattung und der bevorstehende Protest (15.03.2014 – 15:00 Uhr am Emsdettener Bahnhof).

Wohnungen in sehr schlechtem Zustand – einzelne ohne Warmwasser und Heizung

Wie bereits berichtet, sind die Wohnungen an der Taubenstraße in einem sehr schlechten Zustand. Nun sind in mindestens einer Wohnung die Heizung und folglich auch das warme Wasser ausgefallen. Nach mehrmaliger Kontaktaufnahme zur vermietenden Firma „Van der Horst Unternehmensgruppe GmbH“, versprach diese zwar Ausbesserung, doch bis heute ist nichts passiert.

„Es ist einfach niemand gekommen, obwohl man uns sagte, dass Handwerker kommen würden.“

Ein von uns hinzugezogener Sachverständige bestätigte, dass es sich wirklich nicht lohne, Ersatzteile zu bestellen, sondern es sei nötig, die komplette Heizung auszutauschen. Wann die vermietende Firma endlich ihre Pflichten wahrnimmt bleibt offen.

Kritik an der Demoroute

Auch wenn manche anscheinend keinerlei Probleme damit haben, dass die geplante Route mit der Abschlusskundgebung direkt auf dem Gelände an den Wohnblöcken so nicht genehmigt wurde, kritisieren wir diese Umstände scharf.

Uns ist es wichtig, dass auch die Menschen, die den Vergnügungen des Frühjahrsmarktes nachgehen, von diesem Protest mitbekommen und hätten die Innenstadt zumindest gerne gekreuzt. Dass sich die Stadt so vehement dagegen wehrt haben wir erwartet, doch kann eine Demonstrationroute beispielsweise über die Rheinerstraße nicht unmöglich sein. U.a. aus mobilisierungstechnischen Gründen werden wir dennoch nicht gegen diese Entscheidung klagen, auch wenn uns dazu von mancher Seite geraten wurden.

Wir hoffen, dass sich viele Menschen an den Protesten beteiligen und sich mit den Betroffenen solidarisieren. Wir freuen uns auf die Demonstration am kommenden Samstag und verbleiben in letzten Vorbereitungen. … Bis morgen! :)

+++ Update 03.03.2014 +++

In den letzten Wochen waren wir viel mit der Planung der Solidaritätsdemonstration für die Arbeiter_innen der Taubenstraße beschäftigt, daher kommt erst jetzt wieder ein Update zur derzeitigen Situation.

Die neuen Werksverträge sind zwar da, jedoch bewegen diese sich am Rande der Legalität. Die Leute werden weiterhin in einem krassen Abhängigkeitsverhältnis zur Firma gehalten. Beispielsweise darf der Arbeitgeber, laut Vertrag, Arbeitnehmer „nach billigem Ermessen“ ohne Angabe einer Frist, an andere Produktionsorte in Deutschland verlegen. Weiterhin gibt es eine Anwesenheitsprämie die komplett wegfällt, wenn der Arbeitnehmer nur einen Tag im Monat krank ist. Auch wenn sich Fine Food vor kurzer Zeit damit brüstete, dass die neuen Verträge einen Lohn festhalten, der über dem Mindestlohn läge, lässt sich davon im Vertrag wenig erkennen: Der Grundlohn liegt bei 8 Euro. Zudem steht im Vertrag, dass der Arbeitnehmer sich nach einer krankheitsbedingten Abwesenheit von über zwei Wochen der Kontrolle eines „Vertrauensarztes der Firma“ unterziehen muss. Ausserdem muss der Arbeitnehmer jegliche Nebentätigkeit beim Arbeitgeber melden und ist verpflichtet auf die Zustimmung der Firma zu warten. Darunter fallen beispielsweise auch ehrenamtliche Tätigkeiten. Zusätzlich sind Vertragsstrafen festgehalten, welche der Arbeitnehmer u.a. verbüßen muss, wenn er die Arbeit unentschuldigt, nicht oder verspätet aufnimmt oder diese verweigert, diese Vertragsstrafe beträgt ein komplettes Bruttomonatsgehalt. Zuletzt erlischt beim Unterschreiben des Vertrages jeglicher Anspruch auf bisher nicht gezahlte Gehälter durch Vorgänger-Firmen.
Ein Großteil der Arbeiter_innen hat bereits unterschrieben – ihnen wurde von der Aushändigung bis zur Abgabe des Vertrages nur ein Tag gewährt, was wiederum nicht dem geltenden Recht entspricht.

Obwohl Fine Food öffentlich behauptete, sich nicht weiterhin auf ein Subunternehmen zu verlassen, werden die Menschen von einem neuen Subunternehmen übernommen, welches strukturell wie das alte (Stichwort: „Insolvenz und nicht gezahlte Löhne“) aufgebaut ist und gleichzeitig erhebliche personelle Schnittmengen aufweist.

Weiterhin ist arbeitsrechtlich einiges im Argen. So gaben Betroffene an, dass ihre Spinte in ihrer Abwesenheit von einem Vorarbeiter geöffnet und durchsucht worden sind. Zusätzlich werden Überstunden immer noch völlig willkürlich und permanent auferlegt, sodass das Arbeitspensum trotz vertraglich geregelter 30 Stunden Woche, dasselbe wie vorher ist.

Für alle, die nun im neuen Beschäftigungsverhältnis sind, wird nun Miete in Höhe von 980€ für die 3-Zimmer Wohnungen erhoben (980/Wohnung). Aber an den Wohnverhältnissen hat sich bisher nichts verbessert und Mietverträge gibt es immer noch nicht.
Menschen, die nicht weiter in diesen unvorstellbaren Verhältnissen arbeiten wollen, wurden aufgefordert zum 28.02. ihre Wohnungen zu räumen, ohne dass es dafür irgendeine rechtliche Grundlage gibt.

So erging es, neben einer anderen Person, auch der Schneiderin Melinda, welche in den Medien und in der Bevölkerung breite Solidarität erfahren hatte. Nachdem eine Vertreterin des OAT mit Melinda erfolgreich auf Jobsuche war, gründete sich eine weitere kleine Gruppe von engagierten Menschen aus Emsdetten, rief zu Spenden auf und nahm Melinda bei sich Zuhause auf.

Nachdem die Stadtspitze erklärte, dass eine Schädigung des „Wirtschftsstandortes Emsdetten“ zu befürchten sei, wurde nun ein runder Tisch mit allen Beteiligten ausgerufen, bei dem auch wir dabei sein werden.

Wir möchten alle nocheinmal herzlich zu unserer Info- und Mobilisierungsveranstaltung am 06.03.2014 ab 19:00 im „Jugendcafe Tib“ Rheinerstr. 28 in Emsdetten und zu unserer Demonstration „Solidarität ist eine Waffe“ am 15.03.2014 ab 15:00 am Bahhof in Emsdetten einladen.
Mehr Infos: Hier

+++ Neuer Videobeitrag des WDR +++

Hier gibt es nun einen neuen Videobeitrag des WDR über die Situation der Arbeiter_innen von der Taubenstraße. Ab Minute 05:40 geht es los.


+ Update + 02.02.2014 +

Die letzten Wochen bei den Arbeiter_innen der Taubenstraße waren, anders als Artikel in der Lokalpresse vermuten lassen, geprägt von einem Klima der Verunsicherung und Angst. Die Situation ist insgesamt weiter sehr unübersichtlich und hat sich nicht gerade verbessert. So werden weiterhin neue Menschen nach Emsdetten in die Wohnblöcke geholt, obwohl die Wohnungen bereits überfült sind. Teilweise teilen sich 14 Menschen eine 3-Zimmer-Wohnung. Manche sind gezwungen, sich Betten mit bis zu drei Personen zu teilen, wobei sie sich nicht unbedingt kennen und teilweise nicht die gleiche Sprache sprechen -das führt natürlich zu Konflikten. Zudem wurden mindestens drei Menschen nach Rheine und Laer in Wohnungen mit ähnlicher Struktur geschickt, kehrten aber nach wenigen Tagen zurück, da diese ebenfalls überfüllt sind.

An Wohnraum mangelt es eigentlich nicht, aber die Verwaltungsfirma aus Düsseldorf weigert sich, neue Wohnungen aufzuschließen, da sie in Zukunft privat vermietet werden sollen. Zusätzlich wurde verschiedenen Menschen angedroht, dass sie ihre Wohnungen verlassen müssten. Wer die Initiatoren dieser Drohung sind ist bisher nicht bekannt, die Verwaltungsfirma weißt dies von sich. Mittlerweile ist klar, dass ca. 85 Personen von dem neuen Subunternehmen übernommen werden sollen und ihnen ein Arbeitsvertrag nach geltendem Recht in Aussicht gestellt wurde. Mindestens 11 Personen sollen nicht übernommen werden. Diese Menschen haben keine Aussicht auf regelmäßge Sozialhilfezahlungen und waren vor allem betroffen von der Drohung die Wohnungen räumen zu müssen. Dies entbehrt jeder rechtlichen Grundlage.

Von den seit mehreren Wochen versprochenen neuen Arbeitsverträgen fehlt bis jetzt jede Spur. Bekannt ist nur, dass diese Verträge von einer Emsdettener Anwaltskanzlei gefertigt wurden. Der seit zwei Monaten ausbleibende Lohn wurde immer noch nicht gezahlt, lediglich eine Vorrauszahlung von 200 € für die, die übernommen werden sollen.
Viele Menschen sind wütend, enttäuscht und haben resigniert. Einige sind bereits wieder nach Ungarn gereist, haben uns aber geschrieben, dass die Situation dort schlechter sei und sie den Verbleibenden raten, in Emsdetten zu bleiben. Andere sagen, dass sie noch zwei Wochen auf den Lohn warten und dann anreisen wollen. Wiederum andere haben ihre Arbeit auf Grund der aussichtslosen Lage niedergelegt.

Infoveranstaltung in Stroetmanns Fabrik

Am Donnerstag, den 23.01.2014, richtete die Bleiberechtsgruppe aus Emsdetten eine Infoveranstaltung aus, bei der Vertreter der Nahrungs- und Genussmittelgewerkschaft referierten. Es kamen sehr viele Interessierte und für viele war es die erste Gelegenheit Informationen über die menschliche Tragödie an der Taubenstraße und allgemein über die systematische Ausbeutung der Werksvertragsarbeiter_innen in der Fleischzerlegungsbranche zu erlangen. Einen besonderen Dank möchten wir einer eifrigen Bürger_in aussprechen, welche die Zuschauer_innen animierte, dass man „doch endlich den Menschen in schwarz vertrauen“ solle und uns Spenden für unsere Arbeit zukommen lassen solle. Bei einer darauffolgenden Spontansammlung kamen über 300 €uro zusammen, wovon wir einen Teil kurzfristig in Essenseinkäufe für die elf, die nicht übernommen werden sollen, investierten. Besonders haben wir uns gefreut über die vielen Menschen, die bei uns Rat suchten oder Kontakte knüpfen wollten, sowie über den regen Austausch, den die Besucher_innen noch über das Ende der eigentlichen Veranstaltung betrieben.

Wie geht es weiter…

Als nächstes Etappenziel nehmen wir uns vor, nicht nur weiter eine Nahrungsmittel- und ärztliche Versorgung zu garantieren, sondern den Betroffenen juristischen Rückhalt zu geben und sie in eine Gewerkschaft einzugliedern. Weiterhin muss geklärt werden, wer für die Zeit seit der Insolvenz des alten Subunternehmens bis zur Fertigstellung der neuen Arbeitsverträge verantwortlich für die Lohnzahlung ist. Je nachdem was sich daraus ergibt, können die Lohnansprüche geltend gemacht werden. Weiterhin warten wir auf die Arbeitsverträge und einer ausführlichen Stellungnahme der Sprehe-Gruppe, Fine Food, des Vorarbeiters Attila H. und des neuen Subunternehmens NVG.
Wir sammeln auch in Zukunft Geld für unsere Arbeit, welches mit dem Verwendungszweck „Taubenstraße“ auf folgendes Konto überwiesen werden kann:

Bank­ver­bin­dung:
In­ha­ber: Of­fe­nes An­ti­ras­sis­ti­sches Tref­fen Ems­det­ten
Kon­to­num­mer: 844424
Bank­leit­zahl: 40153768
Ver­bunds­spar­kas­se Ems­det­ten-​Och­trup

Über direkte Unterstützung freuen wir uns natürlich auch. Wer möchte, kann jeden Montag ab 19:00 Uhr in das Albert-Heitjans-Haus in der Rheinerstraße 28 nach Emsdetten kommen und sich da an unseren Treffen beteiligen und mithelfen.

+ Update + 14.01.2014 +

Die letzten Tage haben einige neue Erkenntnisse für uns gebracht. Wir möchten uns sehr bei den Ärzten bedanken, welche sich um das Wohl der Bewohner_innen der Taubenstraße gekümmert haben. Mehreren Menschen konnte durch den Einsatz sehr geholfen werden.

Bewohner_innen von Räumung bedroht

Leider ist uns heute bekannt geworden, dass einige der Wohnungen bis zum Wochenende geräumt werden sollen und das die Bewohner_innen folglich obdachlos werden würden. Wir empfehlen den Bewohner_innen in den Wohnungen zu bleiben, da es für eine Räumung noch keinerlei Grundlage gibt. Auch wenn es keine Mietverträge gibt, so ist der Hausmeister noch lange nicht befugt, die Menschen auf die Straße zu setzen, solange es keine offizielle Nachricht durch die Wohnungsbesitzer_innen gibt.

Zudem sind mindestens 15 neue Personen aus Ungarn und Rumänien angekommen, welche in den vorhandenen, bereits überbesetzten Wohnungen untergebracht wurden. Mittlerweile sind uns Fälle von Wohnungen bekannt, in denen 14 Menschen zusammen leben und teilweise 2 Menschen in einem Bett schlafen müssen. Diese Verhältnisse sind in höchstem Maße anzuklagen, da es mehr als menschenunwürdig ist, Privatsphäre verunmöglicht und zu Streit und Unmut auch zwischen den Bewohner_innen führen kann.

ZDF an der Taubenstraße

Am Montag hat uns der ZDF an der Taubenstraße begleitet, um Interviews zu führen und die Wohnverhältnisse zu dokumentieren. Leider soll kurz vorher der Vorarbeiter die Arbeiter_innen eingeschüchtert haben, weshalb sie dann wohl dem ZDF den Einlass in die Wohnungen verwehrten. Der Beitrag ist trotzdem unbedingt sehenswert und kann hier noch ein paar Tage angesehen werden.

+ Update + 10.01.2014 +

Sammelspenden

Am Samstag (04.01.2014) und am Montag (06.01.2014) haben wir, das OAT, zum Spenden aufgerufen. In der Innenstadt haben wir Lebensmittel für die Arbeiter_innen von der Taubenstraße entgegen genommen. Das dort Gesammelte und die Spenden der Caritas-Tafel haben dazu beigetragen, dass die Menschen dort zumindest nicht vor gänzlich leeren Kühlschränken standen. Bedanken möchten wir uns bei allen, die in den letzten Tagen gespendet und ihre Hilfe angeboten haben. Auch über die Unterstützung von „DettenRockt“, „Grüne Emsdetten“ und „Die Linke“ haben wir uns sehr gefreut. Am Samstag den 11.02.2014 stehen wir wieder von 12:00 bis 13:00 am Morgentaubrunnen und nehmen Essen entgegen. Bitte sagt doch euren Freund_innen, Familienmitglieder_innen und Arbeitskolleg_innen bescheid und kommt vorbei, spendet und helft mit.

WDR Beitrag

In den letzten Tagen hat uns ein Reporter vom WDR begleitet. Das Resultat kann vorraussichtlich bis zum 14.01.2014 in der Mediathek vom WDR Münsterland begutachtet werden.

WDR Bericht

Der Gang zum Rathaus

Für Dienstag (07.01.2014) hatten wir geplant, mit den Betroffenen ab 14:00 zum Rathaus zu gehen, um dort eine Grundsicherung zu beantragen. Leider soll die Firma „Fine Food“ davon erfahren haben und der Vorarbeiter Attila H. soll die Arbeiter_innen unter Druck gesetzt haben. Er soll gesagt haben, dass diejenigen, die zum Rathaus gehen werden, sich direkt die Kündigung abholen könnten und soll für alle Betroffenen eine Schicht ab 12:00 Uhr angesetzt haben. Dennoch haben sich etwa 30 Personen nicht einschüchtern lassen und sind mit uns zum Rathaus gegangen. Hier wurden wir von Personen des Jobcenters und von Elmar Leuermann in Empfang genommen . Allgemeine Informationen über die Möglichkeit „Sozialhilfe“ zu beantragen wurden vorgetragen und durch einen Dolmetscher übersetzt. Leider sind hierbei wichtige Informationen nicht ausreichend verstanden worden. Die komplizierten Regelungen zur „Sozialhilfe“ ließen die Betroffenen denken, dass sie einen riesigen Schuldenberg bei der Stadt Emsdetten anhäufen würden. Dieses Missverständnis werden wir in den nächsten Tagen aufklären und hoffen, dass sich dann noch mehr Menschen dazu entscheiden, unter diesen Umständen, nicht mehr für diese Firma zu arbeiten. Weitherhin bot die Stadt allen Menschen von der Taubenstraße eine einmalige Zahlung von 120 € an um in die Heimatländer zurück zu reisen.

Repressionen der Firma

Wir haben mit zahlreichen Betroffenen gesprochen wobei teilweise erschreckende Fakten der Arbeitsrealität bei Subunternehmen von Finefood an das Tagelicht gekommen sind. Wir fassen diese Informationen zusammen, werten sie aus und werden diese zum Teil, wenn von den Betroffenen gewollt, veröffentlichen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Menschen aus der Taubenstraße, die bei Fine Food arbeiten, einem unmenschlichen und strikten Arbeitsklima ausgesetzt sind. So sollen Beleidigungen und Drohungen sowie sadistische Kommentare durch den Vorarbeiter an der Tagesordnung sein. Fehlende Sicherheitsmaßnahmen und -Bekleidungen zeichnen den Alltag genauso aus, wie der Zwang zu Überstunden. Wenn Leute krank werden, soll ihnen gedroht worden sein sie zu kündigen und aus den Wohnungen zu schmeißen. Es wurde sogar gedroht den Strom in den Wohnungen abzustellen.
Einige Leute erzählten von Sanktionen während der Arbeitszeit. So sollen in Einzelfällen Menschen mit Sanktionen von 50 €, falls sie während der Arbeit miteinander redeten, und von 50-100 € beladen worden sein, wenn sie aus Krankheitsgründen fehlten.

Traurig ist, dass letzte Woche 10 Menschen die Taubenstraße verließen und weitere 2 heute (09.01.2014) zu ihren Familien zurückkehrten. Es ist sehr schwer für die Menschen dieses Klima und die Ungewissheit zu ertragen. So einer der Betroffenen, der heute seine Reise angetreten hat: „Ich habe keine Lust mehr in dieser kapitalistischen Scheisse ausgebeutet zu werden“. In den Herkunftsländern erwartet ein Großteil der Menschen Obdachlosigkeit, Hunger und zum Teil Verfolgung. Erschreckend, dass einigen das lieber ist, als in der Taubenstraße zu wohnen und bei einem Subunternehmen von Finefood angestellt zu sein.

„Eine neue Firma ist wie ein neues Leben ?“

Seit dem vor eingen Wochen zwei Subunternehmer festgenommen worden sind und die eigentliche Firma insolvent gegangen ist, hat sich für die Arbeiter_innen aus Osteuropa nicht viel verändert. Der Grund ist, das dieses Problem nicht durch zwei Menschen verursacht worden ist, sondern scheinbar Struktur hat. Insgesamt sind uns ca. 15 Firmen bekannt welche Akteure dieses Schauerspiels sind. Ein neues Unternehmen möchte einen Teil der Leute übernehmen, versprach ihnen deutsche Arbeitsverträge, welche gerade von einer Kanzlei erstellt werden, einen Lohn von 8,50 und eine 40 Stunden Woche. Viele der Betroffenen sind sehr skeptisch, weil zum Beispiel der Vorabeiter Atilla H., der die Menschen dort federführend terrorisiert hat, wieder mit im Geschäft ist und ein weiter Unternehmer aus Ungarn, der nicht verhaftet worden war, wieder in der neuen Struktur integriert sein soll. In den nächsten Wochen wird sich zeigen ob diese Versprechen eingehalten werden. Wir und die Betroffenen Menschen hoffen auf rechtsgültige Arbeitsverträge, einen fairen Lohn, menschliche Arbeitsbedingungen, würdige Wohnverhältnisse, sowie die Nachzahlung der seit einigen Wochen nicht gezhalten Löhne.

Wie geht es weiter?

Wir sammeln weiter Essen und bemühen uns um eine medizinische Grundversorgung. Konkret benötigen wir an Essen im Moment vor Allem: Mehl, Zucker, Salz, Öl, Kartoffeln, Zwiebeln, Gemüse, Aufschnitt, Eier, Fleisch, Milch, Brot, Konserven, Duschgel, Shampoo, Seife, Waschmittel, schwämme, Spüli… An Medikamenten benötigen wir Schmerztabletten, Hustenstiller, Hustenlöser, Ventolin Asthmaspray, Breitbandantibiotikum, Schmerzgel & Nasenspray….
Wir können auch noch Spenden gebrauchen um beispielsweise Arztrechnungen, Anwaltskosten, Spritkosten, Infomaterial… bezahlen zu können. Hierfür bitten wir euch euren „Wohlfühlbeitrag“ mit dem Verwendungszweck „Taubenstraße“ auf folgendes Konto zu überweisen:

Bank­ver­bin­dung:

In­ha­ber: Of­fe­nes An­ti­ras­sis­ti­sches Tref­fen Ems­det­ten
Kon­to­num­mer: 844424
Bank­leit­zahl: 40153768
Ver­bunds­spar­kas­se Ems­det­ten-​Och­trup

Weitere Infos werden in der Unterkategorie Taubenstraße und auf der entsprechenden Facebookseite veröffentlicht.

Da es während unserer letzten Sammelaktion einen Vorfall gab, bei dem ein Neonazi versuchte die Helfer_innen zu fotografieren, möchten wir nochmals darauf aufmerksam machen, dass Neonazis und Personen, die sich diskriminierend äußern nicht auf unseren Veranstaltungen erwünscht sind und der Örtlichkeit verwiesen werden.

Die Arbeiter_innen der Taubenstraße – eine kurze Zusammenfassung
05.01.2014

1. Vergangenheit

Die Firma „Fine Food Feinkost GmbH & Co. KG“ beschäftigte Teile ihrer Arbeiter_innen über diverse Personalvermittlungsfirmen unter anderem aus Ungarn und Polen. Diese Firmen arbeiteten zum Teil höchst kriminell. Das heißt sie schlossen keine bis unzureichende Arbeitsverträge ab, zahlten das minimale Gehalt in bar aus und schlossen ungültige Krankenversicherungen für die Menschen ab. Es wurde außerdem ein Aufseher/Vorarbeiter namens Horvath A. von einer ungarischen Firma in den Wohnblocks an der Taubenstraße stationiert, welcher die Leute kontrollierte, beleidigte, einschüchterte und dafür sorgte, dass man Verletzte und Kranke in „Nacht und Nebel-Aktionen“ wieder zurück in ihr Herkunftsland brachte. Dort ließ man sie ohne Geld und ohne Versorgung zurück.

Die Arbeiter_innen kamen, weil sie in ihrem Herkunftsland keine Chance hatten, ihre Familien zu ernähren. Sie ließen ihre Familie zurück und schufteten monate- bis jahrelang unter den menschenunwürdigsten Bedingungen: 7-Tages-Schichten mit 10-18 Stunden pro Tag, keine Hilfe bei Verletzungen, unzureichende Arbeitsschutzkleidung (häufig gab es Verletzte, die sich mit dem „Geflügel-Schneidgeräten“ in Arme, Hände und Schultern schnitten). Hinzu kommen die menschenunwürdigen Wohnbedingungen. Die Menschen von Fine Food leben in Wohnblocks, die jahrelang nicht mehr saniert wurden, sämtliche Strom- und Wasserleitungen müssten komplett erneuert werden, es schimmelt, Fensterscheiben sind eingeschlagen, etc. Und sie leben mit teilweise 11 Menschen in kleinen 3-Zimmerwohnungen.

2. Heute

Vor ein paar Tagen hat sich die Situation für die Arbeiter_innen noch eimal radikal verschlimmert. Die ungarische/slowakische „Personalvermittlungsfirma“ unter Leitung von Hala’sz A., die laut Aussage der Arbeiter_innen sowieso nur „auf dem Papier“ existiert, ist insolvent gegangen. Seit über 5 Wochen wurde kein Gehalt mehr gezahlt, die Menschen stehen ohne Geld und Nahrung da. „Die Kühlschränke sind leer, wir haben nichts zu essen.“, berichtet eine Betroffene aus Serbien. Viele Familien konnten zudem auch kein Geld an ihre Familien in den Herkunftsländern schicken, weshalb Angehörige und Kinder nun aus den Wohnungen geworfen und auf der Straße (über-)leben müssen. Ein paar Tage nach Silvester bestätigte der Vorarbeiter der ungarischen Firma die verheerende Nachricht noch einmal, als er den Arbeiter_innen sagte, dass sie kein Gehalt zu erwarten haben.

Die fehlende Krankenversicherung macht ihnen zusätzlich zu schaffen. Verletzte mit teils schweren Schnittverletzungen können nicht behandelt werden, weil sie sich die Behandlung nicht leisten können. Es fehlen wichtige Medikamente, wie zum Beispiel Asthma-Spray und Schmerzmittel. „Diese Frau hat so schweres Asthma, wenn sie zuviel Stress hat, wird sie ohnmächtig. Sie braucht dringend Hilfe.“, vermittelt ein Betroffener. Es gibt Menschen mit unbehandelten Knochenbrüchen und Rückenproblemen. Eine umfassende Medikationbedarfs-Liste wird derzeit erstellt.

3. Wir brauchen Hilfe

Auch wenn schon viele Menschen unterstützende Arbeit leisten, so bedarf es leider noch viel mehr, um 80-100 Betroffenen zu helfen. Ein großes Dankeschön möchten wir der Caritas-Tafel für Emsdetten und Greven aussprechen, die mit ihrer großzügigen Essensspende wirklich geholfen hat und auch weiterhin alle Mittel zur Verfügung stellt. Und auch den privaten Spender_innen möchten wir für ihre Lebensmittelspenden herzlichst danken.

Rechtsberatung für alle die, die um ihr Gehalt betrogen wurden, wäre ebensfalls wünschenswert. Außerdem sollten die Verantwortlichen (Hala’sz A., Horvath A., Fine Food, etc.) endlich gestoppt werden, damit sie nicht noch mehr Unheil über die Menschen bringen können.

Die Menschen an der Taubenstraße sollen nicht mehr bei Fine Food arbeiten müssen, sie brauchen vernünftige Arbeitsplätze oder Sozialhilfezahlungen und Wohnungen, die menschenwürdig sind. Das Drama von Fine Food muss endlich beendet werden, denn solche Zustände können wir nicht tolerieren. Es ist an der Zeit Verantwortung zu übernehmen und nicht mehr nur zu sagen „Hier sind wir nicht zuständig.“. Das ist auch unsere Forderung an die Stadt Emsdetten: Helft diesen Menschen und leistet Unterstützung wo es nur geht. Es kann nicht sein, dass bürokratische Hürden nicht überwunden werden können, wo doch so große Not besteht.

Es ist schön zu sehen, dass die Menschen an der Taubenstraße beschlossen haben, sich gegenseitig zu unterstützen, einander zu helfen und zusammen zu halten, denn nur so kann das Klima der Angst endlich überwunden werden.


+++ Taubenstraße – Grundlagentext +++

Deutschlandweit steht die Fleischbranche in Verruf und das nicht ohne Grund. Wanderarbeiter_innen aus Osteuropa sind in Schlachthöfen und Zerlegebetrieben längst Mehrheit. Ihre Arbeitsbedingungen und Löhne sind miserabel. So auch in Emsdetten: Die Firma „Fine Food“ gab Teile des Betriebes in die Hände von Subunternehmer_innen, womit die Firma selbst nicht mehr die Verantwortung für die dort Beschäftigten trägt. Die Arbeitsbedingungen sind verheerend: 10-18 Stunden-Schichten, minimale Löhne, keine Arbeitsverträge und Krankenversicherungen, mangelnde Schutzkleidung, völlige Isolation von der Außenwelt. Die Betriebsräte sind machtlos – dürfen sich nicht einmischen.

Auch die Wohnverhältnisse sind menschenunwürdig. Bis zu 14 Menschen leben in kleinen 3-Zimmerwohnungen, schlafen teilweise zu zweit in einem Bett. Tägliche Schikane und die Vereinzelung schaffen ein System der Angst, aus dem sich die Betroffenen meist selbst nicht mehr befreien können.

Nun hat ein Subunternehmen von Fine Food Insolvenz angemeldet und seit knapp zwei Monaten wurden keine Gehälter mehr gezahlt. Die Menschen können sich nicht mehr selbst versorgen und sind auf Lebensmittelspenden durch Außenstehende angewiesen. In Zusammenarbeit mit der Tafel und durch private Spenden hat das Offene Antirassistische Treffen den Bedarf größtenteils decken können. Doch das kann keine Dauerlösung sein.

Zwar hat sich ein neues Subunternehmen gegründet, welches seit Wochen faire Arbeitsverträge und die Übernahme der meisten Arbeiter_innen verspricht, doch bisher hat sich kaum etwas verändert.

Wir fordern, dass die Menschen endlich ausreichend entlohnt, vernünftig behandelt und menschenwürdig untergebracht werden.